Schloss Wildegg: Das Rare erhalten und pflegen

Ein strahlender Frühlingstag begrüsst uns schon bei der Anreise. Die Apfelbäume blühen noch, der Laubwald wirkt herausgeputzt im lichten Frühlingsgrün und eine blühende Nussbaumallee führt von der Busstation zur Schlossanlage mit Gutshof, Stallungen, Voliere, Wirtschaftsgebäuden, Schloss und Barockgarten.

Wir werden begrüsst von Frau Michelle Preiswerk von ProSpecieRara.

Sie gibt uns einen kurzen Einblick in die Geschichte von Schloss Wildegg. Ursprünglich ein Habsburger Schloss, kam es nach einigen Wirren 1483 an die Familie Effinger aus Brugg und blieb bis 1912 in deren Besitz. Die letzte Erbin vermachte das Schloss der Eidgenossenschaft, welche die Verwaltung dem Landesmuseum übertrug.

Der Garten wurde ursprünglich von Bernhard von Effinger im Barockstil gestaltet, inspiriert von französischen Gärten aus der Zeit von Louis XIV. Der Garten war ein Nutz- und Lustwandel-Garten und machte im Laufe der Zeit viele Transformationen durch. Er wurde erst 1998 im Originalstil restauriert. In diesem Garten werden heute u.a. alte Kulturpflanzen sowie Gemüse-, Getreide- und Beerensorten gezogen.

Seit ca. 1900 sind 75 % der damaligen Sorten verschwunden, weil mit der Industrialisierung die Notwendigkeit ertragreiche Sorten anzubauen einher ging. ProSpecieRara wurde 1982 von Hans-Peter Grünenfelder gegründet, um sich um die Erhaltung und Förderung der kulturhistorischen und genetischen Vielfalt von Pflanzen und Tieren einzusetzen. Am Beispiel der «Bibel der alten Gemüsesorten», dem Album Benary, zeigt uns Frau Preiswerk wie viele unterschiedliche Randensorten es damals gab.

ProSpezieRara sicherte z.B. die Erhaltung von zum 1189 Apfelsorten. Sie gibt uns eine Kurzeinführung in die wesentlichen Aspekte der Pflanzenzüchtungen und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten von Kreuzungen (Stichwort: F1-Hybride und Heterosis-Effekt für alle, die mehr dazu wissen möchten).

Spielerisch zeigt sie uns dann, was eine Sorte eigentlich ist – wir erhalten Karten von Wildpflanzen und Karten von Gemüsen und Salaten. Jetzt gilt es, die heutigen Sorten der richtigen Wildpflanze zuzuordnen. Z.B. steht der Kompass-Lattich (Lactuca serriola) am Anfang von Lattich, Spargelsalat, Kopfsalat, Eisbergsalat, Batavia und Schnittsalat. Oder die Wegwarte (Cichorium intybus) gibt uns mit Chicorée, Zuckerhut, Edivie und Frisée unsere Wintersalate.

Interessanterweise sehen die Blüten dieser Sorten immer noch gleich aus wie die Blüten der Wildpflanzen.

Beim Rundgang durch den Garten erzählt uns Frau Preiswerk viele spannende Details und erklärt uns das Prinzip der Fremdbefruchter (die meisten Apfelsorten) und der Selbstbefruchter (Erbsen, Bohnen), welches bei der Saatgutgewinnung eine grosse Rolle spielt.

ProSpecieRara hat auf der eigenen Webseite einen Sortenfinder. Hilfreich, wenn man selber eine bestimmte Sorte sucht oder zum Stöbern, um zu sehen, was es alles gibt.

Zum Schluss dürfen wir ein bisschen Saatgut für Stangenbohnen und Salat mitnehmen.

Nach dem erholenden Mittagessen im gemütlichen Bistro kommen wir alle zu einer kleinen Feier im Schlosshof zusammen: Wir begrüssen Linda Goetschi offiziell im Vereinsvorstand und verabschieden Luzia Kunz aus dem Vorstand mit einer kleinen Überraschung von allen.

Luzia gebührt ein grosser Dank für ihren Beitrag für die Sache des botanischen Malens in der Schweiz. Sie war 2018 eines der Gründungsmitglieder. Die meisten von uns haben sie als Co-Leiterin der Wädenswiler-Kurse kennen und schätzen gelernt. Sie hat uns durch ihre Zeichnungen immer wieder motiviert und inspiriert und war einfach da für uns, wenn wir Hilfe brauchten.

Den Nachmittag verbringen wir dann mit Malen im Garten, einem Schlossbesuch, einer kleinen Glace oder einfach mit Gesprächen und lassen diesen schönen Tag langsam ausklingen.

Ein spezieller Dank geht an Rosmarie Isler, die diesen wunderschönen Tag für uns organisiert hat und uns allen damit eine grosse Freude bereitet hat.

  

April 2026, Barbara Wirth

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